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Pro-Link`s Fahrrad Dorfprojekt in Ghana

Pro-Link`s Fahrrad Dorfprojekt in Ghana

Unser Fahrradprojekt mit Pro-Link geht dieses Jahr bereits in das elfte Jahr.
Rund 600 Fahrräder verteilt Pro-Link dieser Tage an Dörfer und Gemeinschaften, die sonst abseits der Entwicklung im Übrigen Land stehen. Pro-Link betreibt als ghanaische Hilfsorganisation sieben Regionalbüros und mit über 30 Mitarbeitern. Auf Basis dieses Netzwerks werden geeignete Fahrradempfänger identifiziert. Diese müssen einen Antrag auf ein Fahrrad stellen in dem sie auch darlegen, wie ein Fahrrad ihnen helfen kann. Typischerweise sind die Empfänger Schulkinder, Lehrer, Gesundheitsberater, Frauengruppen und einfache Farmer.

Dieser ehrenwerte Ansatz von Pro-Link den Ärmsten der Armen im Ganzen Land zu helfen bleibt nicht ohne Probleme: Waren aller Art sind in diesen abgelegenen Dörfer oft teurer, da sie über Steinpisten, die nach der Regenzeit stark ausgewaschen sind, dort hintransportiert werden müssen, das Risiko eines Defekts lässt sich jeder Spediteur bezahlen, sodass auch der Fahrradtransport dorthin, als auch unsere Reise ins Geld geht. In manchen der Dörfern gibt es keine Mechaniker, weswegen Pro-Link in Mankessim kommendes Jahr ein Ausbildungszentrum für Jugendliche als Fahrradmechaniker starten wird. Ermöglicht wird dies im übrigen auch nur durch die freiwillige Leistung der Gemeinschaft der „bicycle fiter“ (Fahrradmechaniker) in Mankessim, zu denen Diana, die Projektmanagerin gute Kontakte pflegt. Sie arbeiten im Fahrradprojekt, abgesehen von kleineren Zuwendungen überwiegend ehrenamtlich und werden die Ausbildung der Fahrradmechaniker gemeinschaftlich leiten. Ich bin einmal mehr erstaunt darüber, dass auch auf afrikanischer Seite vieles ehrenamtlich geschieht: Von der Organisation des Projekts bis zum Ausladen des Containers werden große Teile ehrenamtlich erbracht, denn wir von Technik und Solidarität geben zwar Fahrräder aber kein Geld. Und die Projektgelder von Pro-Link und somit die bezahlten Stellen sind natürlich projektbezogen und somit zweckgebunden.
Wir haben zwei der Dorfgemeinschaften besucht. In der Ersten der beiden in der Central Region, östlich des Kakuum Nationalparks waren die Empfänger Schulkinder und Gesundheitsberater.
Der Andrang bei der Übergabezeremonie war riesig, viele Kinder wollten ein Rad. An der besuchten Schule haben 20 (!) Schulkinder, ausgewählt von den Lehrern nach Länge des Schulwegs und 10 Gesundheitsberater ein Rad bekommen. Dazu wird jeder Gemeinschaft die Räder bekommt eine „Toolbox“, also ein kleines Werkzeugstartset mit Maulschlüsseln, Imbusschlüsseln, Flicken, Pumpe, Zange, Hammer und ähnlichem überreicht. Grundlegende Reparaturen können die Schulkinder nun selbst vornehmen. Unter einem schattigen Mangobaum gab es dann noch ein zweistündiges Fahrradtraining. Wie funktioniert ein Rad? Auf welche Lager muss man achten und sie gegebenenfalls einfach nur nachziehen, bevor sie sich ausschlagen? Ganz unbekannt sind Fahrräder hier wohl nicht, denn alle Kinder konnten sofort aufsteigen und fröhlich davon radeln. Zuvor gab es allerdings noch Appelle von jeglicher Dorf- und Schulautoritäten mit den Rädern sorgsam umzugehen, „auf dass die Nachbarskinder einen lange beneiden“. Wie auch in Deutschland gibt es Kinder die sich dies zu Herzen nehmen und andere die weniger sorgsam mit ihrem neuen Besitz umgehen werden. Jeder der Fahrradempfänger zahlt zudem 30 Cedis, was aktuell 10 Euro entspricht, damit deckt Pro-Link die Transportkosten der Räder in die Dörfer und die entstandenen Zollkosten am Hafen und sofern etwas übrig bleiben sollte, wird es dieses Jahr in das neue Ausbildungszentrum investiert.

Im zweiten Dorf in der Volta Region, 30 Kilometer buscheinwärts von Sogakope waren die Radempfänger überwiegend einfache Bauern und Fischer. Das Land ist weit und flach, es gibt nur wenige Bäume die Schatten spenden, das machte auch mir sichtlich zu schaffen. Die Bauern laufen oft 2 Stunden bis zu ihrem Feld. Taxis und TorTro`s gibt es auf den hier immer enger werdenden Pisten und schließlich Trampelpfaden nicht mehr. Um so schöner zu sehen dass fast 80% der Fahrräder die Pro-Link hier letztes Jahr verteilt hat immer noch rollen. Die Menschen betonen wie sehr ihnen das Fahrrad hilft, Zeit spart und sie weiter entfernte Dörfer erreichen lässt. Und natürlich fragen sie nach mehr, dieses Jahr hätten sich 90 Leute gemeldet, Pro-Link hat allerdings nur 30 Fahrräder hier hergebracht.
Diana, die Projektmanagerin von Pro-Link fragte den Dorfchef gegen Ende der Zeremonie, wo die mit den Fahrrädern vor zwei Wochen gebrachte Tischnähmaschine untergekommen sei. Dieser antwortete, dass er sie sobald der Antriebsriemen da sei für seine Frau reserviert habe. Daraufhin hat Diana spontan entschlossen, dass es sich hier um eine Fehler handelte, die Nähmaschine müsse wieder mit, sie werde woanders gebraucht. Also Nähmaschine ins Taxi gepackt und zur Kreuzung, ab da ging es, wieder auf der Asphaltstraße ins Tro-Tro Sammeltaxi, natürlich nur mit verhandeln über die eigentlich viel zu große Tischnähmaschine, zwischendurch einmal umsteigen, in Accra ins Taxi umsteigen um in ein anderes Tro-Tro Sammeltaxi umzusteigen und voilà schon kann man sie morgen jemandem geben der sie wirklich benötigt und nicht nur den Seinen gibt. Eine Prinzipientreue und Wesenseigenschaft die sich Diana wie sie sagt von Bernice Heloo, der Chefin von Pro-Link, mit der sie seit nunmehr 15 Jahren zusammenarbeitet abgeschaut hat.
In diesem Sinne vielen Dank an Diana und das Pro-Link Team, alle Spender, TuS-Helfer und die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit! [nggallery id=17]

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