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Fahrradlobbyarbeit in Ghana: Vida Cycling Program

Fahrradlobbyarbeit in Ghana: Vida Cycling Program

Technik und Solidaritaet e.V. freut sich dieses Jahr einen neuen Partner in Ghana gewonnen zu haben: Die 43 jaehrige Fahrradaktivistin Vida Juliet Vivie erhaelt noch diesen Monat einen 20ft Container mit rund 150 Fahrraedern fuer ihre Nichtregierungsorganisation VIDA CYCLING PROGRAM.

Vida ist, wie wir, voll und ganz vom Fahrrad als Transportmittel ueberzeugt. Eine absolute Seltenheit in Ghana, in dem es im Gegensatz zu den frankophonen Nachbarlaendern Togo und Burkina Faso keine grossen Rennen und damit verbunden leider auch keine grosse Fahrradkultur gibt. Vida arbeitet seit 23 Jahren dagegen an. Ihr wurde noch als Kind erzaehlt, dass Frauen, die regelmaessig groessere Distanzen mit dem Fahrrad zuruecklegen keine Kinder mehr bekommen koennen.

Den Schwerpunkt ihrer Arbeit legt sie auf das Veranstalten von Rennen mit Frauenbeteiligung, als auch auf die Betonung der Gesundheitsaspekte des Radfahrens. In Ermangelung sicher befahrbahrer, geteerter Strassen in ihrer Heimatregion hat sie dafuer eine neue Radsportdisziplin erfunden: „Grass Track Cycling“. Auf gruenen Wiesen werden mehrere Runden gefahren. Die bunt gemischten Raeder dafuer liefert sie, ein Grossteil der Teilnehmer besitzt kein eigenes Fahrrad. Bei zuletzt 80 Teilnehmern organisierte sie das Rennen wie ein Fussballturnier. Ueber eine Vorrunde, Viertelfinale und Halbfinale kam es zum entscheidenden Siegerrennen. Der Mangel an Raedern als auch ein Akzeptanzproblem ruecksichtsloser Autofahrer machten sie erfinderisch. Den Teilnehmern bereiten die Rennen Freude, solche Veranstaltungen bleiben in Afrika, wo sich das Leben groesstenteils draussen abspielt natuerlich nicht lange ohne Zuschauer. Langsam moechte sie so ein Bewusstsein und eine Akzeptanz fuer das Radfahren schaffen. „In Ghana wird Radfahren mit Armut assoziert, dagegen kaempfe ich an, diese Denkweise moechte ich aendern.“ sagt sie. Tatsaechlich ist ja oft das Gegenteil der Fall, wer sich aktiv fuer das Radfahren entscheidet muss sich erst einmal ein Rad leisten. Dazu kommen Kosten fuer Wartung und spezielle Kleidung. Eine Investition die sich ueber gesparte Taxi und TroTro-Ausgaben schon mittelfristig lohnt. Nichtsdestotrotz gibt es viele Menschen die sich ein Fahrrad zu Marktpreisen (80 bis 120 Cedi – 30 bis 50 Euro) einfach nicht leisten koennen. Vida hat im Jahr 2012 bereits Fahrraeder ueber das amerikanische Village Bicycle Project erhalten und mit Hilfe deren Gruender David Peckham erfolgreich verteilt. Alle Radempfaenger haben dabei ein Mechanikertraining erhalten. Die Raeder wurden nicht verschenkt, sondern gegen eine Selbstbeteiligung an sozial Benachteiligte vergeben.

Vida hat mit Hilfe von Lon Haldemann, einem ehemaligen Rennfahrer aus den USA und dem Gruender des Pac Tour Cycling Club, einem Radreisenveranstalter, erfolgreich die zweite Ausgabe ihrers Handbuchs „Enjoy Cycling Benefits“ herausgegeben. Das Buch behandelt in weiten Teilen Gesundheitsaspekte des Radfahrens. Vida sagt wenn sie gefragt wird, warum sie denn trotz Radfahrens so dick ist (in Ghana scheut man sich nicht jemanden als dick zu bezeichnen, da dies in aller Regel ein Zeichen von Wohlstand und somit erstrebenswert ist) antwortet sie wie folgt: Radfahren macht hungrig und sie isst eben auch gerne. Ihr Koerper ist nichtsdestotrotz „rundum“ gesund, an ihren letzten Arztbesuch kann sie sich nicht erinnern.

Ausdruecklich erwaehnt und gedankt sei an dieser Stelle Thomas und Maxi Hochrein aus Muellheim im Schwarzwald. Sie sind auf der SPEZIalradmesse 2012 auf uns aufmerksam geworden und haben diesen Container mit Hilfe der Bevoelkerung in und um Muellheim alleine gesammelt. Es ist der erste Container den wir nicht aus Stuttgart schicken, aber ich bin mir sicher, dass badische Raeder genauso gut sind wie unsere schwaebischen Drahtesel.  Ich hoffe sie sehen, dass ihr Container hier gut aufgehoben ist, ein detailierter und bebilderter Abschlussbericht von Vida folgt.

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